Wie hoch ist die Maklerprovision beim Verkauf oder Kauf einer Immobilie – und wer zahlt sie?
Diese Fragen beschäftigen viele Eigentümer und Käufer. Die Antwort hängt von der Art des Geschäfts, regionalen Gepflogenheiten,
der gesetzlichen Lage und der individuellen Vereinbarung ab. In diesem ausführlichen Leitfaden erfährst du leicht verständlich,
wie sich die Provision zusammensetzt, welche Regeln seit der Provisionsreform gelten, warum sich die Beauftragung oft trotzdem lohnt
und mit welchen praxisnahen Beispielen du die Kosten schnell überschlagen kannst. Außerdem bekommst du klare Tipps, wie du die
Provision fair verhandelst und worauf du im Maklervertrag achten solltest.
🧮 Was bedeutet „Maklerprovision“ konkret? #
Die Maklerprovision (auch Courtage genannt) ist die Vergütung für die Leistung eines Immobilienmaklers. Sie deckt die gesamte
Servicekette ab: Marktanalyse, Preisstrategie, Exposé-Erstellung, professionelle Fotos, Vermarktung über Portale & Netzwerke,
Vorqualifizierung von Interessenten, Besichtigungen, Verhandlungen sowie die rechtssichere Begleitung bis zum Notartermin und darüber hinaus.
Üblicherweise wird die Provision als prozentualer Anteil am Kaufpreis vereinbart. Im Vermietungsbereich kann sie
(sofern zulässig) als Monatsmieten definiert sein. Wichtig ist: Die konkrete Höhe und Verteilung müssen im
Maklervertrag klar geregelt und transparent kommuniziert sein.
📊 Wie hoch ist die Maklerprovision beim Kauf/Verkauf? #
In der Praxis liegt die Maklerprovision beim Verkauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen häufig in einem Korridor von
ca. 3 % bis 7 % des Kaufpreises. Die Spannbreite erklärt sich durch regionale Gepflogenheiten, den
Wettbewerb vor Ort, die Komplexität des Objekts und die vereinbarten Leistungen.
Beispielrechnung: Liegt der Kaufpreis bei 500.000 €, entspricht eine Gesamtprovision von 5 % einer Vergütung von
25.000 €. Wird die Provision zwischen Käufer und Verkäufer hälftig geteilt (z. B. je 2,5 %), zahlt jede Seite 12.500 €.
⚖️ Gesetzliche Regeln: Wer zahlt die Provision? #
Für Kauf und Verkauf von Wohnungen und Einfamilienhäusern gilt seit der Provisionsreform (in Deutschland): Wird der Makler für
beide Parteien tätig oder vermittelt er zwischen ihnen, ist eine einseitige Belastung in der Regel nicht zulässig. Häufig
wird die Provision hälftig geteilt, oder die Seite, die den Makler nicht beauftragt hat, zahlt maximal so viel
wie die Auftraggeberseite. Diese Regelung stärkt die Transparenz und verhindert einseitige Benachteiligungen.
Bei Vermietung von Wohnraum gilt das sogenannte Bestellerprinzip: Grundsätzlich zahlt die Partei,
die den Makler bestellt (in der Regel der Vermieter). Damit sollen Mieter vor zusätzlichen Kosten geschützt werden.
Wichtig: Für Gewerbeimmobilien können abweichende Vereinbarungen gelten, da dort andere Marktmechanismen und
Vertragsfreiheiten üblich sind. Auch beim Verkauf von Spezialobjekten (Mehrfamilienhäuser, Anlageobjekte) ist die Praxis teils anders.
🏡 Regionale Unterschiede & Marktpraxis #
Die Höhe und Verteilung der Provision sind nicht in allen Regionen identisch. Manche Märkte tendieren zu festen Sätzen,
andere zu flexiblen, verhandelten Vereinbarungen. In einigen Bundesländern ist die hälftige Teilung etabliert, in anderen
gibt es Varianten (z. B. unterschiedliche Prozentsätze je Partei). Zudem beeinflussen Zinsumfeld, Nachfrage und
Objektknappheit die Verhandlungsspielräume.
Praxis-Tipp: Frage den Makler nach Referenzfällen in deiner Region und lasse dir transparent darlegen,
wie Provisionshöhen dort typischerweise ausgestaltet sind und welche Leistungen die Vergütung abdeckt.
🧠 Wie die Provision sich „rechnet“ – Annas Fall #
Anna möchte ihr Haus verkaufen. Sie vergleicht: Privatverkauf ohne Provision, oder Verkauf mit Makler gegen Provision.
Der Makler präsentiert eine klare Strategie: hochwertiges Exposé, Zielgruppen-Ansprache, Vorqualifizierung, strukturierte Termine,
professionelle Verhandlung und rechtssichere Abwicklung. Ergebnis: Statt 480.000 € im Privatverkauf erzielt Anna 505.000 €.
Selbst bei einer Gesamtprovision von 5 % (25.250 €) bleibt ihr Nettoerlös höher – und der Verkauf erfolgt schneller
und sicherer. Anna erkennt: Die Provision ist nicht nur ein Kostenblock, sondern eine Investition in Reichweite,
Qualität der Interessenten, Verhandlungskraft und Rechtssicherheit.
🔍 Welche Leistungen deckt die Provision ab? #
- Analyse Markt- & Mikrolagenbewertung, Preisstrategie, Timing
- Präsentation Exposé, professionelle Fotos, Grundrisse, ggf. Home-Staging
- Reichweite Portale, Social Media, eigenes Käufernetzwerk, Newsletter
- Qualifizierung Vorprüfung von Anfragen, Finanzierungsbestätigungen, Terminmanagement
- Verhandlung Preis, Bedingungen, Risiken, Win-win-Lösungen
- Recht Dokumente, Kaufvertragsentwurf koordinieren, Notartermin, Übergabe
Gute Makler dokumentieren ihre Schritte transparent. So siehst du, wofür du bezahlst – und welchen messbaren Mehrwert du erhältst.
💶 Rechenbeispiele: Schnell überschlagen #
Beispiel 1 – Eigentumswohnung: Kaufpreis 300.000 €, Gesamtprovision 4,76 % (üblich inkl. MwSt). Das sind 14.280 € insgesamt; bei hälftiger Teilung je 7.140 €.
Beispiel 2 – Einfamilienhaus: Kaufpreis 650.000 €, Gesamtprovision 5,95 %. Das sind 38.675 €; bei 50/50 zahlt jede Seite 19.337,50 €.
Beispiel 3 – Verhandelte Spanne: Kaufpreis 500.000 €, Gesamtprovision zwischen 3,57 % und 6,00 % → 17.850 € bis 30.000 €; teils abhängig von Objektkomplexität und Leistungsumfang.
🧾 Maklervertrag: Das sollte drinstehen #
- Höhe & Verteilung Prozentsatz, Zahlungspflicht, Teilung, Fälligkeit (typisch: mit notarieller Beurkundung)
- Leistungen Konkretisierte Maßnahmen: Analyse, Vermarktung, Besichtigungen, Verhandlung, Recht
- Laufzeit & Exklusivität Dauer des Auftrags, Alleinauftrag ja/nein, Kündigungsregeln
- Transparenz Reporting, Kommunikationswege, Nachweis- & Vermittlungstätigkeit
- Datenschutz Umgang mit Interessentendaten, Bonitätsprüfung
Ein sauberer Vertrag schafft Klarheit und reduziert späteres Konfliktpotenzial. Frage nach Musterverträgen und lasse dir alles erläutern.
🤝 Verhandeln: So findest du eine faire Courtage #
Die Provision ist verhandelbar – aber Qualität hat ihren Preis. Statt pauschal „billig“ zu suchen, vergleiche:
Leistungsumfang, Referenzen, regionale Marktkenntnis, Prozessqualität und Erfolgshistorie.
Gute Makler zeigen transparent, wie sie Mehrwert schaffen (z. B. durch höheren Endpreis, schnellere Abwicklung, geringere Risiken).
Tipp: Vereinbare bei komplexen Objekten Leistungs-Meilensteine oder eine Bonus-/Malus-Logik (z. B. bei Zielpreisen).
So ist die Vergütung näher am Ergebnis – für beide Seiten fair.
❓ FAQ: Häufige Fragen zur Maklerprovision #
Gilt die hälftige Teilung immer? Nicht zwingend – aber bei Wohnimmobilien ist eine einseitige Belastung in der Regel begrenzt. Häufig wird hälftig geteilt, oder die nicht beauftragende Seite zahlt maximal so viel wie die beauftragende.
Ist die Provision umsatzsteuerpflichtig? Ja, die Maklerleistung ist eine Dienstleistung und unterliegt in der Regel der Umsatzsteuer. Achte darauf, ob Angaben „inkl. MwSt“ oder „zzgl. MwSt“ sind.
Wann wird die Provision fällig? Üblich mit der notariellen Beurkundung des Kaufvertrags (Fälligkeitsregelungen stehen im Vertrag).
Kann ich die Provision steuerlich geltend machen? Beim Eigennutzerkauf: in der Regel nein. Bei Vermietung oder gewerblicher Nutzung: unter Umständen als Werbungskosten/Betriebsausgaben – steuerliche Beratung einholen.
🧰 Privatverkauf vs. Makler: Rechnet sich das? #
Wer über ausgezeichnete Marktkenntnis, rechtliches Know-how, Verhandlungserfahrung und viel Zeit verfügt, kann den Privatverkauf erwägen.
Für die meisten Eigentümer überwiegen die Vorteile eines Maklers: höhere Sichtbarkeit, vorqualifizierte Interessenten,
bessere Verhandlungen und rechtliche Sicherheit. In Summe führt das häufig zu einem besseren Nettoergebnis – trotz Provision.
Prüfe den Nettovorteil: erzielter Kaufpreis minus Kosten (inkl. Provision) im Verhältnis zu deiner eingesetzten Zeit und dem Risiko.
🌟 Fazit: Maklerprovision fair verstehen und klug gestalten #
Die Maklerprovision ist kein Selbstzweck, sondern die Vergütung für eine professionelle Leistung, die Preis, Tempo und Sicherheit des
Verkaufs maßgeblich beeinflusst. Verstehe die regionalen Gepflogenheiten, nutze transparente Verträge und vergleiche nicht nur den
Prozentsatz, sondern den tatsächlichen Mehrwert. So triffst du eine fundierte Entscheidung – und kommst schneller,
sicherer und oft mit besserem Ergebnis ans Ziel.