Eine gute Elektroinstallation ist das Nervensystem Ihres Neubaus: sicher, zukunftsfähig und perfekt auf Ihren Alltag abgestimmt. Dennoch ist die Frage nach den Gesamtkosten oft schwer zu beantworten, denn vieles hängt von Ausstattung, Hausgröße, Normen, Energieeffizienz, Smart-Home-Wünschen und regionalen Handwerkerpreisen ab. In diesem Guide erhalten Sie eine praxisnahe, transparente Übersicht – von den Basiskosten pro Quadratmeter über Ausstattungsstufen (Standard/Komfort/Premium) bis hin zu Extras wie Photovoltaik, Wallbox, KNX oder PV-Speicher. Zusätzlich gibt’s Checklisten, Spartipps, eine Beispielkalkulation und Hinweise zu Förderungen und Garantie.
Wichtig: Lesen Sie vor der Beauftragung Kundenbewertungen des Elektrounternehmens – echte Erfahrungen sind Gold wert.
🔌 💡 Kurzüberblick: Typische Gesamtkosten im Neubau #
Als grobe Orientierung (Einfamilienhaus, 120–160 m², ohne Luxus-Extras):
- Standard-Ausstattung: ca. 80–120 € pro m² Wohnfläche → bei 140 m²: 11.000–17.000 €
- Komfort-Ausstattung: ca. 120–180 € pro m² → bei 140 m²: 17.000–25.000 €
- Premium/Smart-Home (KNX, Audio, Szenen): ab 180–300+ € pro m² → bei 140 m²: 25.000–42.000+ €
Die Spannweite ergibt sich aus Materialqualität (Schalterprogramm, Leuchten, Leitungen), Anzahl Steckdosen/Leuchtenauslässe, Netzwerktechnik, Sicherheitspaketen, regionalen Lohnkosten und Zusatzsystemen.
Tipp: Holen Sie mindestens drei vergleichbare Angebote (gleiche Ausstattungsbeschreibung!) ein und lesen Sie Kundenbewertungen, um Preis-Leistung und Zuverlässigkeit besser einschätzen zu können.
🧭 Woraus setzen sich die Kosten zusammen? #
1) Planung & Dokumentation
- Leistungsbeschreibung, Stromlaufpläne, Verteilerpläne, Anlagendokumentation, Prüfprotokolle
- Faustwert: 3–8 % der Gesamtkosten
2) Rohinstallation (Schlitze, Dosen, Leitungen, Leerrohre, Potentialausgleich)
- Der größte Arbeitsblock auf der Baustelle
- Faustwert: 35–50 % der Gesamtkosten
3) Zählerschrank & Verteiler
- Zählerschrank, Sicherungsautomaten, FI/LS, Überspannungsschutz (SPD)
- Faustwert: 2.000–5.000 €, je nach Umfang/Reserve
4) Schalterprogramm & Steckdosen
- Anzahl & Qualität (Standard vs. Design)
- Faustwert: 1.200–3.500 € (Standardhaus), Premium deutlich mehr
5) Beleuchtung & Leuchtenauslässe
- Auslässe sind meist enthalten, Leuchten selbst oft nicht
- Faustwert: 800–3.000 € (nur Auslässe & Basis), mit Designleuchten deutlich darüber
6) Daten-/Netzwerktechnik
- LAN-Dosen, Patchpanel, Switch, Access Points
- Faustwert: 800–2.500 € (solide Grundausstattung)
7) Smart-Home/Automationen
- Funk (z. B. Homematic, Zigbee), Bus (KNX), Visualisierung
- Faustwert: 1.500–15.000 €+ (System- & Funktionsumfang)
8) Außenanlagen
- Außenstrom, Wege-/Gartenbeleuchtung, Garage/Carport
- Faustwert: 500–3.000 €, je nach Grundstück
9) Prüfungen & Abnahme
- Messprotokolle nach DIN/VDE, Übergabe, Einweisung
- Faustwert: 2–5 % der Gesamtkosten
🏠 Ausstattungsstufen: Standard, Komfort, Premium #
Standard (zweckmäßig & normkonform)
- Pro Raum: 1–2 Lichtauslässe, 1–2 Schaltstellen, solide Steckdosenanzahl
- Mindest-LAN in Büro/Wohnzimmer, Rauchwarnmelder, FI/LS, SPD
- Budget: 80–120 €/m²
Komfort (alltagsfreundlich & zukunftsorientiert)
- Mehr Steckdosen & getrennte Lichtkreise, Präsenzmelder in Fluren
- Flächendeckendes LAN + WLAN-Decken-APs, Rollladensteuerung zentral, Türsprechanlage
- Teilautomationen (Funk/Hybrid), Vorbereitung für PV/Wallbox
- Budget: 120–180 €/m²
Premium (Design & Smart-Home im Fokus)
- KNX/Bus-System, Szenen, Visualisierung (App/Panel), Audio, Wetterstation
- Hochwertiges Schalterprogramm, Design-Leuchten, durchdachte Außenbeleuchtung
- Budget: ab 180–300+ €/m²
📐 Beispielkalkulation (140 m² EFH, Komfort) #
- Planung & Doku: 1.800 €
- Rohinstallation: 8.500 €
- Zählerschrank & Verteiler: 3.500 €
- Schalter/Steckdosen (Markenstandard): 2.200 €
- Daten-/Netzwerk (Cat 7, Patchpanel, 2 APs): 1.600 €
- Beleuchtungsauslässe (ohne Designleuchten): 1.200 €
- Rollladensteuerung (zentral, Funk): 1.400 €
- Außenanlagen (Basis): 900 €
- Prüfung/Abnahme/Einweisung: 900 €
Summe: 22.000 € (ohne PV, ohne Wallbox, ohne Premium-Leuchten)
⚡ Zusatzausstattung & deren Einfluss auf die Kosten #
Photovoltaik (PV) & Speicher
- Dach-PV 8–12 kWp: 10.000–20.000 €
- Speicher 8–12 kWh: 6.000–12.000 €
- Hinweis: Gehört oft zu einem separaten Gewerk – Schnittstellen (Zählerplatz, Überspannungsschutz, Leitungsführung) frühzeitig klären.
Wallbox / Ladeinfrastruktur
- 11-kW-Wallbox inkl. Zuleitung, Absicherung, Montage: 1.200–2.500 €
- Lastmanagement/Überschussladen mit PV: +300–1.200 €
Smart-Home (KNX/Bus)
- Erweiterte Szenen, Visualisierungspanel, Wetterstation, Logik-Server
- Zusatzkosten: 3.000–15.000 €+ je nach Tiefe (Heizung, Beschattung, Licht, Audio)
Sicherheit & Kommunikation
- Video-Türsprechanlage: 500–2.000 €
- Alarmanlage (Funk/Bus): 1.500–5.000 €
- Netzwerk-Upgrade (Managed Switch, PoE, Rack): 500–1.500 €
🧱 Rohbau, Energie & Normen: Was treibt die Kosten? #
- Bauart & Installationszonen: Massivbau erlaubt Schlitze/Fräsungen, Holzständer braucht mehr Leerrohre und sorgfältige Brandschutzdetails.
- Energieeffizienz-Konzept: Wärmepumpe, PV, Speicher & E-Mobilität beeinflussen die Auslegung des Zählerplatzes, Leitungsquerschnitte und Schutzkonzepte.
- Normen (DIN VDE) & Überspannungsschutz: Heute Standard – spart Ärger, erhöht aber Materialkosten.
- Reserve & Zukunftsfähigkeit: Zusätzliche reversible Leerrohre in wichtige Zonen (Küche, Büro, DG) kosten wenig und zahlen sich aus.
🧩 Raum-für-Raum: sinnvolle Stückzahlen (Anhalt) #
Wohn-/Essbereich (30–40 m²)
- Steckdosen: 10–16, LAN: 2–4, TV/Koax optional, 2–3 Lichtkreise
- Dimmer/Scenes sinnvoll, ggf. Decken-AP für WLAN
Küche
- Steckdosen Arbeitsbereich: 6–10, Geräte: 5–8 eigene Kreise
- LAN am Kühl-/Backblock (Smart-Geräte), Beleuchtung zoniert
Schlafzimmer
- Steckdosen: 6–10, LAN: 1–2, Licht je Bettseite, Rollladensteuerung
Kinder-/Arbeitszimmer
- Steckdosen: 8–12, LAN: 2–4, Licht zweifach, später flexibel nutzbar
Flure/Treppen
- Präsenz-/Bewegungsmelder, Orientierungslicht, Steckdosen für Staubsauger
Bäder
- FI/LS, IP-Grad beachten, Spiegel-/Ambientebeleuchtung, Steckdosen: 3–5
Hauswirtschaft/Technik
- Eigene Kreise für Großgeräte, Netzwerk, Patchpanel, Platz für USV/Router
Diese Stückzahlen wirken stark auf Material und Arbeitszeit – und damit auf die Kosten.
🛠️ Angebot richtig vergleichen: So geht’s #
1) Leistungsbeschreibung vereinheitlichen
- Definieren Sie pro Raum: Anzahl Steckdosen, Schalter, Leuchtenauslässe, Datenanschlüsse, Rollladensteuerung, Bewegungsmelder.
2) Schalterprogramm festlegen
- Serie & Farbe (z. B. Gira, Jung, Busch-Jaeger; Standard vs. Design).
3) Technik klären
- Zählerplatz (Reserveplätze), SPD, FI/LS, Anzahl Unterverteiler, Netzwerkkomponenten.
4) Dokumentation & Prüfungen
- Messprotokolle, Stromlaufpläne, Garantien explizit anfordern.
5) Bezug von Leuchten
- Wer liefert die Leuchten? Montagepauschalen? Mindestpreise? Klären!
6) Zeitplan & Koordination
- Abstimmung mit Trockenbau, Heizung/Sanitär, PV-Installateur – Vermeiden Sie Leerlaufkosten.
Wichtig: Prüfen Sie Kundenbewertungen (z. B. Google, ProvenExpert, regionale Portale). Achten Sie auf Termintreue, Sauberkeit, Reklamationsverhalten und Kommunikation.
💶 Wo lässt sich sinnvoll sparen – und wo nicht? #
Sinnvoll sparen:
- Leerrohre & Reserve statt sofortiger Vollausstattung (z. B. Lautsprecherkabel später).
- Einheitliches Schalterprogramm in Standardserie (später tauschbar).
- LAN statt Funk-Workarounds: Stabil, preiswert, zukunftssicher.
- Eigenleistungen in Absprache: Schlitze stemmen, Dosen setzen (nur wenn erlaubt & sauber); der Elektriker übernimmt Anschluss/Abnahme.
Nicht sparen:
- Sicherheitskomponenten (FI/LS, Überspannungsschutz)
- Zähler-/Verteilerqualität & Dokumentation
- Feuchträume & Außenbereich (IP- und RCD-Schutz)
- Dimensionierung der Zuleitungen für spätere Lasten (Wallbox, Induktion, Sauna)
🧾 Typische versteckte Kostenfallen #
- Nachträge durch unklare Leistungsbeschreibung (z. B. „gehobene Ausstattung“ ohne Zahlen).
- Leuchtenmontage: Wenn nur Auslässe beauftragt sind, kostet die spätere Montage extra.
- Netzwerk & WLAN: Fehlende APs oder schlechte Platzierung → Nacharbeiten.
- Außenanlagen: Wege-/Gartenstrom gerne „vergessen“.
- Schnittstellen mit PV/Wallbox: Leitungswege & Zählerplatz nicht vorbereitet → teure Umrüstungen.
- Unterdimensionierte Unterverteiler: Kein Platz für Nachrüstung.
🧑💻 Smart-Home: Funk vs. Bus (KNX) – Kosten & Entscheidungshilfe #
Funk (z. B. Zigbee/Z-Wave/Hue/Homematic):
- Vorteile: Günstiger Start, flexibel, weniger Eingriff in Installation
- Nachteile: Funkreichweite/Stabilität, Batteriewechsel, herstellerabhängige Ökosysteme
- Kosten: ab 500–3.000 € für sinnvolle Grundfunktionen
Bus/KNX:
- Vorteile: Stabil, erweiterbar, langlebig, professionelle Logik/Szenen
- Nachteile: Höherer Planungs- & Installationsaufwand, höhere Einstiegskosten
- Kosten: ab 5.000–20.000 €+ je nach Umfang
Praxis-Tipp: Hybrid-Ansatz: Kabelgebundene Basis (Licht/Rollläden) und ausgewählte Funk-Komponenten für Komfort – so bleiben Sie flexibel.
🧰 Checkliste für Ihr Elektro-Angebot #
- 📄 Detaillierte Raumliste mit Stückzahlen
- ⚙️ Zähler-/Verteilerkonzept inkl. Reserve
- 🛡️ Schutzkonzept (FI/LS, SPD, Potentialausgleich)
- 🌐 Netzwerkplan (LAN-Dosen, Patch, AP-Positionen)
- 🌞 Vorbereitung für PV/Wallbox/Speicher
- 🎛️ Ausstattungsstufe (Standard/Komfort/Premium) eindeutig benennen
- 🧪 Mess- & Prüfprotokolle zugesichert
- 📚 Dokumentation (Stromlauf, Verteilerplan, Herstellerunterlagen)
- 🧾 Transparenter Stunden-/Materialansatz für Nachträge
- ⭐ Kundenbewertungen prüfen & Referenzen erfragen
🗺️ Regionale Preisunterschiede & Timing #
- Regionale Lohnkosten variieren spürbar – ländliche Regionen oft günstiger als Ballungsräume.
- Bauzeitpunkt: Gute Elektriker sind ausgebucht – rechtzeitig beauftragen, sonst steigen Kosten durch Wartezeiten/Nacharbeiten.
- Materialpreise: Schwanken (Kupfer, Schutzgeräte). Fixieren Sie Preisbindungen im Angebot, sofern möglich.
🛡️ Garantie, Wartung & Dokumentation – warum es sich lohnt #
- Dokumentation spart Geld bei Störungen und Umbauten.
- Garantie: Klären Sie Fristen & Ansprechpartner.
- Wartung: Überspannungsschutz prüfen, Anlagenbeschriftung aktuell halten, USV/Router/Netzwerkpflege.
- Übergabe: Einweisung in Sicherungskreise, Notfallplan (z. B. FI-Auslösung) schriftlich festhalten.
✅ Fazit: Realistische Budgets & smarte Entscheidungen #
Für ein modernes Einfamilienhaus (ca. 140 m²) sollten Sie je nach Wunschpaket zwischen 11.000 € (Standard) und 25.000 € (Komfort) einplanen – Premium & Smart-Home können die Summe auf 30.000–40.000 €+ heben, insbesondere mit KNX, Design-Leuchten, Audio und integrierten Energiesystemen.
Der Schlüssel zu fairen Kosten: klare Ausstattungsbeschreibung, frühe Planung, reservenfreundliche Leitungsführung, mindestens drei Angebote – und unbedingt Kundenbewertungen lesen, um Qualität und Service einschätzen zu können.

